Kybis bei den Kiwis

05.02.2013

Unser Down-Under Abenteuer begann spät am Abend des 29.12.2012 und endete rund fünf Wochen später letzten Sonntag, dem 3.2.2013. Nebst Wasserfüssen von der langen Reise nahmen wir auch viele coole Erinnerungen, Eindrücke, Fotos und last but not least anständige Resultate mit nach Hause.

Unsere Reiseroute

In Neuseeland nach rund 30stündiger Reise in Aukland angekommen, holten wir unseren Ford Fokus ab, luden all unser noch fein duftendes Gepäck (was sich wenig überraschend im Laufe der Reise ändern wird) rein und stiessen gegen 17Uhr in zu einigen unseren Kaderkollegen. Ziemlich müde verschliefen wir das Neue Jahr dann deutlich.

Der eigentliche Zweck unserer Reise stellten die drei Weltcupläufe dar, der Erste am 6. Januar. Bis dahin machten wir einige Lauf- und OL Trainings. In Taupo (1) besichtigten wir joggend die Huka-Falls und staunten ab blubbernden Quellen und heissem Dampf, der überall aus der Erde zu kommen scheint.

Palmerston North (2) bildete der Ausgangspunkt für den ersten Weltcupeinsatz des Jahres. Hier traf sich auch die ganze Schweizer Equipe. Den Jetlag haben wir schnell und gut überstanden, die Rennen konnten kommen. Chlai hat auf seiner Homepage bereits einen Artikel über die Rennen geschrieben, daher nur eine Kurzfassung.

Das erste Rennen fand gleich am Strand in den Dünen statt. Wir kamen leider beide nicht fehlerfrei durch und ich landete auf dem 14. Rang, was aufgrund der Leistung sicher ein guter Lohn ist. Chlai wurde nach gutem Beginn von den Bikini-Frauen am Strand doch zu fest abgelenkt und kam auf dem 17. Rang. Wir wussten, da wäre mehr drin gelegen, was an diesem Tag jedoch fast jeder sagen konnte.

Besser machen konnten wir es bereits einen Tag später bei der Sprint Qualifikation in Wellington (3), was wir auch taten. Mit Rängen 4 (Chlai) und 6 (meine Wenigkeit) qualifizierten wir uns souverän für den Final am nächsten Tag. Dort bewiesen wir und die Schweizer allgemein unsere Sprintfähigkeiten. Chlai konnte seinen ersten Weltcupsieg ausserhalb Europas feiern, ich lief nach etwas harzigem Start auf den guten 8ten Rang.

Etwas ausserhalb Napier (4) fand fünf Tage später das letzte Rennen statt. Am Morgen ging es im Prolog sich eine gute Position für den Jagtstart am Nachmittag zu holen. Mir gelang dies besser als Chlai (11., bzw 14.), der sich dann aber am Nachmittag in brütender Hitze noch auf den 8ten Schlussrang kämpfen konnte, während dessen mir etwas die Luft ausging und auf den 22ten Schlussrang zurückfiel.

Wir waren froh anständige Resultate erzielt zu haben und freuten uns nach dem Pflichtprogramm auf die nun kommenden 3-wöchige Kür.

Die ersten beiden Tage waren vor allem Reise- und Erholungstage. Vom heissen, trockenen Osten der Nordinsel nahmen wir am nächsten Tag die Fähre auf die Südinsel, wo wir von starkem Regen empfangen wurden. Das Wetter besserte sich aber bereits am Abend und sollte die nächsten 3 Wochen auch so bleiben. Wir hatten wirklich Wetterglück: Die 2 Wochen vor unserer Ankunft soll es auf der Südinsel nur geregnet haben, wir erlebten keinen Tropfen bis zu unserem Abflug. Ja, es war sozusagen die ganze Zeit sonnig wie im Fricktal.

Von Motueka (5) aus unternahmen wir einen Ausflug in den Abel Tasman. Mit dem Wassertaxi zur Bark Bay und von dort aus rund 3h zurückgejoggt. Wir hatten nur das Beste über den Abel Tasman gehört und waren am Schluss etwas enttäuscht, als wir all halbe Minute Flipflop-Touristen kreuzten oder überholten. Es gab uns eindeutig zu viele Leute dort und die Landschaft entlockte uns auch keine emotionalen Gefühlsausbrüche.

Ein weit grösseres Abenteuer erlebten wir am nächsten Tag auf dem Weg nach Cape Farewell (6). Wir rannten zum Harwood’s Hole, einem eindrücklichen Höhlenschacht von 180m tiefe. Oberhalb des Loches befand sich ein Lookout, den wir natürlich nicht stehen liessen. Plötzlich kam die Idee auf, das Loch zu umrunden, sprich irgendwie durch den Jungel an den Anfangspunkt zu gelangen. Meine verantwortungsvolle Skepsis musste schnell der jugendlichen Abenteuerlust von Chlai und Raffi weichen. Das Ganze war dann auch nicht trivial, zumal es dichter Urwald war, sehr scharfe Schratten hatte und die Navigation selbst für OL Läufer fordernd. In rund 1-1.5 Stunden legten wir gerade mal einen Kilometer zurück, fanden dann aber wieder den Pfad zurück zum Parkplatz.  Zum Glück stürzte niemand ins Loch oder ging im Jungel verloren.

Am Cape Farewell (6) gab‘s am Tag drauf einen wunderschönen Strand mit tollen Felsformationen zu erkunden. Auch die Seelöwen haben’s uns angetan.

 

In St.Arnaud (7) wurde wieder mal richtig trainiert. Mit einem 6x5min Intervall rannten wir 1000hm den Berg rauf. Die „Abfahrt“ gab einen tollen Muskelkater. Am nächsten Tag nahmen wir eine 2-Tägige Wanderung in Angriff. Wir hatten nicht die grössten Rucksäcke dabei und setzten daher mehr auf Speed als auf Komfort. Auf der toll gelegenen Angelus Hütte angekommen, absolvierten wir zunächst mal ein Bergjogging um den Karsee. Starker Wind, anspruchsvoller Grat und wunderschöne Aussicht machten das Jogging speziell. Den Mount Angelus nahmen wir am nächsten Morgen vor dem Morgenessen in Angriff. Der Hüttenwart war ab unseren 35 Minuten bis zum Gipfel ziemlich beeindruckt („bloodly good time“). Nach diesem Morgenjogging ging noch 4h wandernd und leicht hungernd (die Vorräte gingen zu neige) zurück zum Auto.

Nach einem kühlen Cola und 1-2 Stunden Autofahrt gefiel es uns in Murchison (8). Im Backpacker „Lazy Cow“ gab es Tennisschläger für 5$ zu mieten, was den Ausschlag für ein Tennisturnier am Abend gab. Bei einer BBQ am Abend (Lustig war, dass der Metzger uns kein Lammfleisch im Land der Schafe bieten konnte) stärkten wir uns für das River Rafting tags drauf.

In Punakaiki (9) bewunderten wir die Pancake Rocks, am Lake Brunner (10) gab es wieder einen krassen Berglauf. Die wiederum rund 1000hm legten wir diesmal am Stück zurück. Die Aussicht auf dem Gipfel hätte mit 20m Sichtweite und stockdichtem Nebel besser sein können. Unten wieder angekommen waren wir ziemlich „dure“. Als Belohnung gönnten wir uns am Abend eine erholsame Fischertour. Erholsam auch deshalb, weil es im See so viele Forellen gab, dass mit Sicherheit eine anbiss. Jeder konnte eine schöne Forelle rausziehen, die es dann anstelle des am Morgen eingekauften Poulets zum Nachtessen gab. Das Poulet geriet im Folgenden in Vergessenheit ehe es sich übelst riechend (wirklich übelst, unsere schon sonst nicht wirklich frisch riechenden Schuhe und Kleider verkamen zur Belanglosigkeit!) zwei Tage später wieder auch sich Aufmerksam machte.

In Christchurch (11) gab es eine vom Erdbeben zerstörte Innenstadt zu besichtigen, etwas südöstlich in Akaroa Delphine. In Christchurch verabschiedeten wir uns auch von Raffi, der von hier aus nach Hause flog. Nun gab‘s wieder Platz im Zelt und Auto.

Die Wale, für das Kaikoura (12) bekannt ist, interessierten uns nicht sonderlich. Stattdessen legten wir in 65min 1600hm auf den Mount Fyffe zurück. Oben wurden wir von einer tollen Aussicht belohnt. Zudem gab’s für mein Oben-ohne Shooting freudige Pfiffe und Zurufe dreier rüstiger Seniorinnen. Als Chlai mit T-Shirt postierte folgten fordernde „Get your shirt off“- Rufe. In unserer Attraktivität einmal mehr bestätigt, rannten wir eben wieder hinunter und düsten mit unserem roten Ferrari nach Picton (13).

Für den Queens Charlotte Track  liessen wir uns wieder mit einem Wassertaxi an einen Strand fahren. Nach 2.5h rennen lagen wir noch einige Stunden am Strand, bevor wir um 16 Uhr wieder abgeholt wurden. Dieser Track gefiel uns sehr gut. Keine Leute, schöne Aussicht und immer wieder mal eine giftige Steigung.

Wieder auf der Nordinsel verbrachten wir eine Nacht in Wanganui (14) und fuhren weiter nach Ohakune (15). Eine kleine Biketour am Nachmittag artete dann aus, als wir nach 2h auf eine Strasse einbogen, die zum Parkplatz des Skigebietes am Ruapehu endete. Dass dieser 16km entfernt und 1000hm ober uns lag dämmerte uns erst langsam. Umkehren, Pause machen oder schon nur der blosse Gedanke daran ist unter zwei Brüdern ziemlich tabu. Etwas dehydriert und ausgelaugt waren wir dann irgendwann oben. In der Abfahrt griffen wir dann nicht mehr an.

Am folgenden Tag standen wir auf dem Ngauruhoe und dem Tongario, wobei ersterer eindeutig der eindrücklichere Vulkan war. Natürlich liessen wir es uns nicht nehmen auf ihn zu klettern und den steilen Hang hinunter zu rutschen. Das berühmte Tongario Crossing konnten wir leider aufgrund einer gesperrten Strasse nicht in Angriff nehmen. Aber auch so gab es viel zu staunen. 

Ganz in der Nähe unternahmen wir dann tags drauf einen Bike Ausflug. Die 42nd Traverse ist ein ehemaliger Forstweg quer durch den tiefsten Busch. Das war cooles Biken mit einigen Bachüberquerungen und weit und breit keine Menschenseele.

Am Nachmittag zog es uns weiter nach Raglan. Unterwegs mussten wir jedoch einen nicht ganz unerwarteten, aber umso schmerzhafteren Zwischenstopp in Kauf nehmen. Nach gut 4700km gab unser geliebter Ford Fokus EEL880 tatsächlich den Geist auf. Mit Müh und Not retteten wir uns in eine Garage. Der Zeitpunkt und Ort hätte in der Tat dümmer sein können (2 Tage vor Abflug und vis-à-vis einer Garage und dem Mc Donald’s) Nach 4 Stunden wurde uns ein neues Auto gebracht. Mit meiner bestandenen Autoprüfung eine Woche vor Abflug hatte ich in der Tat noch nicht viel Fahrpraxis, dennoch muss hier festgehalten werden, dass es weder an mir, Chlai oder Raffi gelegen war, dass die Kupplung schlussendlich nicht mehr wollte. Wie schnell man doch eine emotionale Bindung mit einem rollenden Stück Metall eingeht…

Schlussendlich waren wir um 22.20 in Raglan (16). Hier genossen wir nochmals das Meer, machten nochmals einen kleinen Berglauf, holten uns nochmals einen kleinen Sonnenbrand und duellierten uns nochmals in einem kleinen Tennismatch.

Am 2.2.2013 ging‘s nach Hause. Das kühle, feuchtnasse Wetter müssen wir nur bis zum Freitag ertragen. Dann werden wir nach Portugal fliegen und weiter an unserer Bräune und OL-Fähigkeiten zu arbeiten.

 

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